Pilgern Teil 3

Unterhaltung mit Pia

Das Aufstehen heute war so mittelprächtig. Die Muskeln hatten sich erholt, waren aber immer noch müde, ich würde das als eine Art Muskelkater beschreiben. Aber immerhin: keine Schmerzen (ist doch schön, wenn ich finde, dass das eine Erwähnung wert ist🤭).

Heute morgen, klug geworden vom vergangenen Tag, wurden alle Schichten angezogen. Aber es war trotzdem sehr kalt. Losgelaufen sind wir bei bewölktem Himmel, später klarte es auf, die Sonne schien. Nur leider hatte es heute gefühlt Windstärke 15 und dieser Wind war so kalt, dass einem die Knie geschlottert haben.

Allerdings gab es auch windstille Stellen, da war es dann gleich 10 Grad wärmer – also ein ständiges Jacke auf, Jacke zu🙄. Gegen Mittag war es dann über einen längeren Zeitraum so war, dass ich mich getraut habe, meine Leggins auszuziehen- war ein Fehler.

Heute waren es insgesamt auch wieder so 24 km – das behauptet jedenfalls der Pilgerführer – aber dem glaub ich ja sowieso nix mehr, siehe gestern. Mein Handy behauptet permanent, dass ich weniger laufe als angegeben (was ein bißchen frustrierend ist 😡). Meinen Füssen nach zu urteilen bin ich heute weit über 50 Kilometer (mindestens!) gelaufen.

Berichtenswertes gab es von heute Vormittag nicht, nur dass uns fast ne Oma mit Nordic Walking Stöcken überholt hätte (soooo langsam laufen wir nun auch wieder nicht 🤔).

Gegen Mittag habe ich Dani am Bahnhof von Lüdersdorf gelassen, sie hatte akute Schmerzen. Ich bin alleine weitergelaufen: zuerst durch Palingen

Riesige Häuser, aber:
Mini-Feuerwehr

Palingen war das letzte Dorf vor der innerdeutschen Grenze.

Noch kurz Mittagspause gemacht, den nervigen rechten kleinen Zeh ruhig gestellt – wobei ich glaube, dass der kleine Rebell mittlerweile auch die linke Ferse angesteckt hat ☹️) die letzte mecklenburgische Luft schnuppern und dann kam der Westen.

Plattenweg
Grenze zwischen Mecklenburg Vorpommern und Schleswig Holstein

Mit überschreiten dieser Grenze kann ich stolz sagen, den Osten (bis auf ein paar Kilometer) einmal quer durchwandert zu haben 😊.

Nach der Grenze, also unmittelbar danach, beginnt Lübeck. Vom Stadtrand bis zum Dom sind es aber einige Kilometer, die an der Wakenitz (oder so ähnlich) entlangführen

Das Foto hier wurde kniend gemacht und das nach 5,5 Std laufen. Ich bitte um eine angemessene Würdigung!!!!

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt war es noch 1 Stunde zu laufen. Das heißt, die Beine wurden schwer, die Knie fingen an sich zu beschweren, der Hüftbeuger droht mit Streik, die Blasen scheinen sich zu vermehren. Kurz: das Hirn hat Mühe, den Körper unter Kontrolle zu halten. Alle nicht überlebenswichtigen Funktionen werden ausgeschaltet (das Denken 😊) und man trottet nur noch so vor sich hin, hat keinen Sinn mehr für Schnickschnack.

Irgendwie hab ich auch das Gefühl, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger und körperlich anstrengender wird. Was früher mit links ging, braucht heute mehr Zeit und Energie.

Schließlich habe ich es dann doch noch geschafft, in Lübeck anzukommen:

Der Dom
Rathaus

Heute übernachten wir in einem Rucksackhotel, das von einer völlig überdrehten Psychotherapeutin geführt wird, die 3.800€ am Heizkosten nachzahlen muss, mal in Ravensburg gearbeitet hat und im Theater ein Stück über Alzheimer gesehen hat. So etwas erfährt man innerhalb von 3 Minuten, wenn man sich einfach nur noch hinlegen möchte nach 24 km laufen 🙄. Da ist es mir doch sehr schwer gefallen, höflich zu bleiben.

Deckenbeleuchtung im Zimmer – ob das feuerpolizeilich in Ordnung ist?

Aber wir haben ein Bett, es ist warm und es gibt heißes Wasser zum Duschen – so heiß, dass jeder Dermatologe schreiend wegläuft. Wenn man aber so durchgefroren ist, gibt es nichts besseres 🤭

Gerne könnt ihr meine Texte kommentieren – ich würde mich freuen, von euch zu hören.

3 thoughts on “Pilgern Teil 3

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      Moin Anja,
      ich freue mich, dass ich deine Reiseberichte lesen darf. Du könntest ein Buch schreiben, so toll wie du schreiben kannst. Aber das hört sich schon sehr anstrengend an, was ihr da leistet. Ich wünsche euch weiterhin gutes Durchhaltevermögen, tolles Wanderwetter und freue mich auf deinen nächsten Blog.
      Einen schönen Tag euch,
      lieber Gruß von Brigitte

    • Author gravatar

      Liebe Anja,
      Ich habe große Hochachtung vor deiner Leistung und finde es total bewundernswert, dass du dann noch den spannenden Blog schreibst.
      Halte durch und pass auf dich auf!
      LG Barbara

    • Author gravatar

      Hallo Anja, Hut ab, was du alles auf dich nimmst! Läufst/ pilgerst du nun alleine weiter oder ist Dani wieder dabei?
      Weiterhin viel Spaß und mit steigenden Temperaturen steigt auch deine Laune wieder!

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