Pilgern Tag 2

Von Grevesmühlen nach Schönberg

Das Aufwachen heute morgen hat sich besser angefühlt als erwartet, was mich doch sehr erstaunt hat. Weh getan hat praktisch nix mehr, die Muskeln waren nur etwas müde. Nachdem es ab 14 Uhr hätte regnen sollen, wurde rasch gepackt, einen Kaffee getrunken und ab zum Bäcker. Ja – man glaubt es kaum, es gab einen Bäcker, der Sonntag geöffnet hatte. Sogar schon ab 7 Uhr. Ein Weckle (@Dani: ein Brötchen 👅) fürs Frühstück und los ging es. Also jedenfalls haben wir versucht loszulaufen, aber wir (und das ist mir echt peinlich, das zuzugeben 🫣) haben den Weg nicht gefunden. Glücklicherweise gibt es hier Sonntag morgens um 8 Uhr Hundehalter, die ihre besten Stücke Gassi führen (ich überlasse es eurer Vorstellung, was wohl das beste Stück eines Hundehalters ist). Der 2. jedenfalls konnte uns weiterhelfen, während wir am Karl-Liebknecht Platz, der August Bebel Straße und dem Puschkinweg die Orientierung verloren haben. Das lag aber NATÜRLICH nicht an uns, sondern an der nebulös blumigen Darstellungsweise des Pilgerführers, hier ein Beispiel von heute Nachmittag :

Alles klar? Der Oszug ist übrigens ein geologisches Gedöns aus der Eiszeit. Aber unsereins fragt sich dann schon, wo fängt das an, wo hört das auf? Soll ich Bodenproben entnehmen? Oder Geografiestudium anfangen? Kommt ein Schild bei Ende des Oszugs? Ihr seht, nur laufen reicht hier nicht. Wir sind dann übrigens den Radweg für Pilger gelaufen, der war eindeutiger identifizierbar.

So, wo war ich? Ach ja, immer noch bei Grevesmühlen. Nachdem es gestern bei geschätzten 18 Grad immer darum ging, die passende Kleidung zu finden (was nicht so einfach war: Weste oder Jacke? Oder beides? Oder gar nichts? Immer diese Entscheidungen…), gab es heute bei Wind und 8 Grad nur eines: wir ziehen alles an, was wir haben. Allerdings wollte das frau heute morgen noch nicht so ganz wahrhaben („wird bestimmt besser im Lauf des Tages“ ha ha ha 😝) und hat sich lediglich normal angezogen. Nach nur kurzer Zeit war klar, dass das nicht reicht, denn die fraulichen Problemkältezonen sind (unter anderem) der Hintern und die Oberschenkel (alle Männer, die das bis eben nicht wussten, sind noch nicht lange genug verheiratet) und die waren bald eiskalt. Trotzdem hab ich tapfer (!) durchgehalten, mich erst nach Mittag umgezogen, so dass ich fast meine sämtlichen Klamotten am Leib getragen habe: Leggins, Wanderhose, Rolli, Fleecepulli, Weste, Jacke, Mütze. Die nächste und endgültige Stufe wäre dann die Regenjacke gewesen…

Das einzige, was immer warm war, waren meine Füsse.

Wir kamen ganz gut durch, die Füsse haben mitgespielt und wir sind so vor uns hingewandert.

Mittagspause haben wir an einem malerischen Plätzchen mit romantischem Bachgemurmel im Hintergrund (ja, auch ich kann blumig schreiben 👅) – und gefühlten 6 Grad – gemacht. Zum Mittagessen gab es unter anderem die übrig gebliebenen Stückchen von Danis Pizza von gestern Abend

sowie Müsliriegel, Apfel und Studentenfutter (es gab nur welches mit Rosinen ☹️). @Tom: in der allergrößten Not esse ich auch die im Studentenfutter enthaltenen Rosinen 🫩. Und die Not war heute ob der Temperatur seeehr groß – trotzdem bleibe ich dabei: Rosinen gehören NICHT in einen Hefezopf 😊

Nachtisch

Und natürlich Wasser – eiskalt, wie die Außentemperatur 🙄.

Die Mittagspause habe ich ebenfalls dazu genutzt, meinem widerspenstigen kleinen rechten Zeh den Mund bzw. die Nervenenden zu verbieten. Ich war ja echt geduldig mit dem kleinen Kerl, hab ihn mit einem Blasenstift eingecremt, aber nein, der musste ja ne Blase bilden. Also Blasenpflaster draufgeklebt, aber der hat immer noch keine Ruhe gegeben und weiter rumgemotzt. Deshalb musste ich ihn aus dem Schuh und den Socken nehmen, Erfrierungen 3.Grades riskieren und er wurde dann pflastermässig so verpackt, dass er sich nicht mehr gerührt hat. 😤

Vom Untergrund her hatten wir heute alles dabei: Straße, Schotter, Kopfsteinpflaster grob und fein, Sand, Gras.

Ich glaube, das hier ist eine offizielle Straße – allerdings frage ich mich, wie diese Straße die letzten 40 Jahre in der deutschen Gründlichkeit überleben konnte?!

Und auch Höhenmeter waren dabei, was Dani regelmäßig die Tränen in die Augen getrieben hat. Sie hat ja recht, eigentlich laufen wir hier oben, weil es flach sein sollte, stattdessen ging es heute hoch, runter, hoch, runter usw – die Schwäbische Alb könnte es nicht besser machen 😊

Steigung

Die letzten Kilometer von den heute 23 waren dann wieder recht zäh und wurden schweigsam absolviert.

Nachdem wir die Pfarrerin dann endlich erreicht hatten und unser Quartier beziehen konnten

gab es zur Belohnung eine lange, heiße Dusche und die Erkenntnis, dass der Ort hier am Sonntag nur ein offenes Lokal hat und dieses 15 Minuten zum Laufen entfernt ist 😡. Es hieß dann also noch mal rein in die Schuhe und laufen. Für eine Pizza (was anderes gibt es nicht). Was tut man nicht alles … Dafür tut mir heute nicht mehr alles weh, sondern grob gesagt nur noch alles ab dem Bauchnabel abwärts 😩. Was hat der Mensch nur alles für Muskeln, Sehnen und Bänder – ich kenne sie jetzt dann alle 😬

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