Freitag, 05.05.
10:45 Uhr: die A7 hat mich wieder …
Bleibt mir noch ein paar Worte übers Pilgern allgemein und meine Beobachtungen in Mecklenburg-Vorpommern zu sagen. Ich fange mal mit den Beobachtungen an:
– in MV werden halbe belegte Brötchen, Semmeln oder Weckla verkauft, also entweder Ober- oder Unterseite . Das ist nun für Pilger etwas ungeschickt zum Mitnehmen, deshalb haben wir nach einem ganzen belegten Brötchen gefragt – und zwar ohne Butter (muss nicht sein, ist nur zusätzliches Fett). Ich weiß nicht, was der Bäckersfrau so fremd vorgekommen ist, aber ich musste zweimal die Frage beantworten: ein ganzes Brötchen mit Käse? Ohne Butter? Da ist es am Besten zu Lächeln (ja, auch das kann ich 😊) und ja zu sagen …
– liebe Dani: dreiviertel 8 ist Viertel vor 8 oder 7:45 Uhr. Die Mecklenburger verstehen nämlich, wenn die Schwäbin für dreiviertel 8 Frühstück bestellt 😊, während die Niedersächsin hilflos zwischen 7 und 9 Uhr aufs Frühstück wartet
– an die Kaffeeverkäuferin am Rostocker Hauptbahnhof: wenn ich einen Cafe Latte ( steht so auf der Anzeigetafel) bestelle, dann macht die Frage „mit Milch?“ irgendwie nicht viel Sinn… Die Juristin in mir fängt dann an zu interpretieren: meint sie jetzt, dass ich zusätzlich Milch will oder was will sie mit der Frage erreichen? Aber auch in diesem Fall gilt: freundlich lächeln und nicken 😊
– rund um Rostock haben wir verschiedentlich den Zug als Verkehrsmittel genutzt und was soll ich sagen: die waren alle (!!!) pünktlich, sehr faszinierend. PS: das Deutschlandticket gilt auch im Regionalexpress, es sei denn , der Regionalexpress wird von der DB Fernverkehr betrieben – ich liebe die deutsche Bahn, die setzen offensichtlich voraus, dass ich weiß, wer den Zug betreibt 🙄
Zum Pilgern allgemein:
– vieles habe ich letztes Jahr schon geschrieben, deshalb nur ein kurzer Durchlauf (hätte ich mal besser am Anfang gemacht):
mein Rucksäckle hat inkl. Wasser ca. 7,5 kg gewogen, zusätzlich zum letzten Jahr hatte ich nur noch ein Bettlaken und einen Labello dabei. Und auf der Strecke sind mir noch Ohrringe zugelaufen, die unbedingt mit mussten 😊

Wir halten uns im großen und ganzen an den im Pilgerführer beschriebenen Weg und folgen der Muschel

Oder dem Pfeil:

Das hat den Vorteil, dass wir wissen, wo wir hin müssen und dass mögliche Unterkünfte beschrieben sind – und dass wir uns nicht auf solche Wegbeschreibungen verlassen müssen:

Eine weitere Weisheit beim Pilgern ist auch: es gibt Bänke zum Verweilen, nur ist eine solche NIE da, wenn man beschließt, eine Pause zu machen. Das läuft dann so, dass man einen Holzstapel nutzt oder sich in die Wiese legt, Pause macht, 200m läuft und die Bank findet. Das ging uns nicht nur einmal so.
Kurzer Einschub: es regnet – was auch sonst, wenn ich Autobahn fahre 🙄
Ich wurde gefragt, warum ich das mache. Antwort: weil es am Anfang darum ging, herauszufinden, ob ich das durchhalte, außerdem macht es Spaß (mit Abstrichen 😊) und das Laufen macht tatsächlich etwas mit einem. Es lässt einen runterkommen, ändert den Blickwinkel, gibt einem die Chance, weiter als bis zum nächsten Termin zu denken, die Natur zu genießen und auch in sich hineinzuhören (auch wenn es mir schwer fällt, nichts zu tun, zB abends in der Pilgerunterkunft, oder ich meine Ungeduld nicht ganz abschalten konnte). Ich bin kein esoterischer Typ, deshalb kann ich es schwer beschreiben, am Treffendsten ist vielleicht folgender Spruch:

So, ich komme langsam zum Ende.
Ich fand es schön, dass ihr mich begleitet habt, habe mich sehr über die Kommentare und WhatsApps gefreut und würde mich freuen, wenn es noch mehr werden würden.
Ganz besonders möchte ich mich für den folgenden Kalendereintrag im Röttgerschen Familienkalender bedanken:

Hintergrund: ich habe mir für heute Abend von meinem Mann Fisch zum Abendessen gewünscht 😘😘😘
Verabschieden möchte ich mich zum einen mit dem Pilgergruß „buen camino“ und zum anderen mit dem Satz, den ich in Bad Sülze aus der Bibel abgeschrieben habe: geh hin in Frieden.